| |
|
Aktuelles
|
|
Artikel
|
|
Rezension
|
|
Informationen
|
|
Autorenhinweise
|
|
Mitarbeiter
|
|
Kontakt
|
|
Newsletter
|
|
Impressum
|
|
Archiv
|
|
Wintersemester 06/07
|
|
Sommersemester 06
|
|
Wintersemester 05/06
|
|
Artikel
|
Scherrer, Andreas
Warum heißt unsere Zeitung Aventinus?
|
Blum, Wilhelm
Thysdrus (El Djem)
|
Charalambakis, Ioannis
Homosexualität im antiken Griechenland
|
Ernst, Andrea
Abenteuer Ausgrabung
|
Fischer, Mark-Oliver
Hisarlik und Troia
|
Fischer, Richard
Die Entstehung des Kosakentumes
|
Ginster, Regina
Das so genannte Wirtschaftswunder der 1950er
|
Günther, Wolfgang
Konkurrenz für Olympia
|
Kröss, Katja
Vitellius, unfähiger Politiker und Tyrann?
|
Rupprecht, Melanie
Das Jagdmotiv in der Privatkorrespondenz zwischen Albrecht Achilles von Brandenburg und Ulrich von Württemberg
|
Schnupp, Stefan
Der Regensburger Kurfürstentag 1630
|
Spree, Reinhard
Vom Armenhaus zur Gesundheitsfabrik.
|
Thun, Alexa
Kleiner Streifzug durch die Geschichte Bayerns.
|
Wallner, Mike
Alexander von Humboldt
|
Weber, Albert
Der Pazifismus
|
Zarka, Attila
Die Tyrannis der Peisitratiden
|
|
Rezension
|
|
|
Die Historische Internetzeitschrift Von Studierenden für Studierende
|
| |
| |
Aus dem Archiv (Ausgabe 01 - Wintersemester 05/06) |
| |
Weber, Albert
|
|
| |
Der Pazifismus - ein kritischer Blick auf die Schwächen einer Ideologie
|
|
|
| |
Jeder Mensch, und der moderne vielleicht mehr als seine Vorläufer, braucht Identität, und die verschafft er sich durch den Aufbau einer Gefühlswelt, die voll interessanter und wohlklingender Ideale steckt; der Pazifismus bietet Gläubigen wie Konfessionslosen die Gelegenheit, sich der Welt mit christlich-moralischen Idealen in einer neuen, ansprechenden Form zu präsentieren, denn die alten Religionen sind verbraucht und benötigen eine Erneuerung. Man wirft sich also, begünstigt durch viele andere Umstände, in ein Extrem der Liebe und Gleichmacherei, um sein Empfinden zu erneuern und sich selbst zu unterhalten. Es gibt zwei Hauptgruppen von Menschen, die innerlich oder nur äußerlich nach der pazifistischen Ideologie leben[3]. Die einen meinen es durchaus ernst mit ihren Worten und bemühen sich nur Menschen zu kennen, aber keine Parteien. Die anderen, die weit weniger ehrlichen Friedenskämpfer, pflegen eine doppelte Moral, je nachdem, wer ihre Sympathien genießt. Sie mögen zwar ein vages Ziel des Friedens am Ende ihrer Wünsche und Bemühungen sehen, sperren sich aber nicht gegen den Einsatz von Gewalt oder akzeptieren ihn zumindest. Man denke an die Propaganda, die sogenannte Pazifisten während des Kalten Krieges betrieben haben: Vietnam wurde als Demonstration des westlichen Imperialismus' präsentiert, etwas unbeholfen übersehen oder erklärt wurde aber die sowjetische Intervention in der DDR, in Ungarn, der CSSR oder in Afghanistan. So mancher Pazifist verurteilt mit seinen schärfsten Worten die amerikanische Irak-Invasion, begrüßt aber die Gewalttaten von Terroristen und Aufständischen. Es haften dieser Ideologie einige schwere Mängel an; eines ihrer ersten Argumente ist die Gewaltspirale: Gewalt erzeuge noch mehr Gewalt; das ist falsch. Ein Konflikt ist ein Kräftemessen zwischen zwei Mächten, das endet, sobald sich beide auf einen Frieden einigen, wenn beide Mächte dabei umkommen oder die eine die andere besiegt und ausschaltet. Ein ständiger, langer Kampf beweist nur, daß sich zwei gleichstarke Mächte bekriegen und daher keine von ihnen gewinnen kann. Keine will der anderen, besonders aus Prestigegründen, einen Schlag schuldig bleiben. Deutschland hat nach 1945 keinen Krieg mehr geführt, weil es anfangs dazu keine Möglichkeit mehr hatte, später aber beschloß, daß der Frieden nützlicher sei. Nach der Gewaltspiraltheorie hätte Deutschland immer wieder und wieder Krieg geführt, weil man es mit Gewalt angegangen ist. Es war aber eher so, daß der Krieg der Allierten das bedrohliche Problem des faschistischen Deutschland gelöst hat; Gewalt kann sehr wohl Probleme lösen, wenn sie bedacht gebraucht wird. Man betreibt sie aber nur, wenn einfachere, bequemere Mittel wirklungslos geblieben sind, und man unterläßt sie, wenn darin kein Nutzen mehr gesehen wird. Die Moral ist im Kampf um die Macht ein sehr beschränktes Mittel, denn sie erbringt keinen konkreten, materiellen Nutzen, sondern nur Ansehen, weswegen sie mehr zum Schein, als in Wirklichkeit gebraucht wird. In der Politik herrscht nicht der größte Moralist, sondern der Mächtigste. Das aber ist gerade, was die Pazifisten verdammen und böse nennen (wohlgemerkt als Moralisten, die ihre ideologischen Antipoden kritisieren), was es aber nicht ist: was ist böse daran, daß einer die meisten Mittel für sich genießt, weil er fähig genug war, sie sich zu verschaffen? Zwei Mächte, die Frieden geschlossen haben, einigen sich auf den Gebrauch der Moral. Die Pazifisten aber stehen auf der Position des Unterlegenen, Schwächeren, der alle zu sich hinunterziehen will (Kommunismus!) oder aber fremde Errungenschaften zum Allgemeingut erklären möchte, ohne durch seine Befähigung oder sein Vermögen ein Anrecht darauf zu besitzen. Wie begreiflich, daß die Pazifisten jeden, der sich ihrem Bestreben widersetzt, als moralisch verkommen bezeichnen. Sie versuchen zwanghaft die Moral in die Politik zu bringen, weil jene dort fast gar nicht existiert. Erkennen können sie aber nur, daß sie fehlt, nicht allerdings, daß sie dort kaum bestehen kann. Ein Konflikt bricht aus, wenn eine Partei etwas besitzen will, was auch eine andere für sich beansprucht. Der Pazifist aber will diesen Konflikt nicht mit Gewalt führen, sondern mit friedlicher Diplomatie; wenn es indes darum geht (angenommen, alle befolgen das Gebot des Friedens), daß jemand einen besonders großen Vorteil zugunsten eines anderen aufgeben soll, so wird sich diese Partei dagegen sperren; ein Präzedenzfall entsteht, andere folgen. Im günstigsten Fall verbleibt alles im Status quo; Mächte, die erfolgversprechende, fortschrittliche Konzepte besitzen, können diese nur in den sehr engen Grenzen verwirklichen, in denen ein anderer, so unfähig er auch sein mag, nicht verletzt wird; der Fortschritt ist bedroht. |
|
|
|